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Kleiner paxloveistischer Art brut Ansatz
Sauerei sagen sie, als wäre das ein Urteil, aber Paxloveistisch kippt genau dort die Welt aus der Form.
Alles wird klein und groß zugleich, Ordnung und Chaos stehen im selben Atemzug und wissen nicht mehr, wer wen beschuldigt.
Was sie Schmutz nennen, ist oft nur das Leben, das sich weigert, leise zu bleiben und sauber zu sprechen.
Die Sprache versucht zu greifen, doch sie greift ins Leere und findet nur Herzreste und Gedanken, die nicht sortiert werden wollen.
Und vielleicht ist Sauerei nichts anderes als der Moment, in dem die Wirklichkeit kurz vergisst, höflich zu sein.


Zur Herkunft des Wortes „Sauerei“

Das Wort „Sauerei“ taucht im Deutschen etwa im 17. Jahrhundert auf. Es wächst nicht geschniegelt aus der Sprache, sondern eher wie etwas, das aus dem Stallboden hochdrückt. Ausgangspunkt ist die „Sau“ – ein Tier, das früh mehr war als bloß Nahrung. Im kulturellen Blick steht sie für Schmutz, Übermaß, Körperlichkeit, für das, was nicht kontrolliert werden will.

Daraus entsteht das Verb „sauen“: beschmutzen, durcheinanderbringen, die Ordnung verrutschen lassen. Und irgendwann wird daraus ein Zustand, ein Urteil, ein Wort, das selbst schon nach etwas klingt, das man wegwischen möchte: „Sauerei“.

Zuerst meint es tatsächlich Dreck. Einen Raum, der kippt. Einen Boden, der klebt. Dinge, die nicht mehr an ihrem Platz sind. Aber die Sprache bleibt nicht stehen. Sie kriecht weiter. Schon früh wird „Sauerei“ auch dort benutzt, wo nichts sichtbar schmutzig ist – bei Handlungen, die als unanständig gelten, bei Momenten, in denen jemand sagt: Das ist zu viel.

Und genau hier beginnt die eigentliche Verschiebung.
„Sauerei“ beschreibt nicht nur – es urteilt.

Das Wort trägt seinen Vorwurf schon in sich. Wer es benutzt, steht selten daneben. Man zeigt darauf, und gleichzeitig färbt es zurück. Ein bisschen bleibt immer hängen. Vielleicht, weil das Bild der Sau nie ganz verschwindet: das Wühlen, das Fressen, das Nicht-Angepasste.

Heute ist „Sauerei“ ein Mehrzweckruf.
Es kann Dreck sein. Chaos. Empörung. Moralischer Alarm.
Ein einziges Wort für alles, was aus der Reihe fällt.

Und doch ist es nie neutral. Es ist ein Wort, das aus einer Grenze geboren wurde – und jedes Mal, wenn es ausgesprochen wird, zieht es diese Grenze neu. Man könnte sagen: Die eigentliche Sauerei ist nicht das, worauf gezeigt wird.

Sondern der Moment, in dem gezeigt wird.

Für alle für die Sauerei ein Unwort ist 118 mögliche Alternativen:

  • Skandal
  • Frechheit
  • Unverschämtheit
  • Schweinerei
  • Gemeinheit
  • Unfug
  • Chaos
  • Dreck
  • Mist
  • Murks
  • Pfusch
  • Schlamperei
  • Unsinn
  • Zumutung
  • Katastrophe
  • Desaster
  • Sauhaufen
  • Unordnung
  • Ärgernis
  • Vergehen
  • Fehltritt
  • Missstand
  • Unheil
  • Ungemach
  • Unrat
  • Schmutzerei
  • Schmiererei
  • Abart
  • Entgleisung
  • Grenzüberschreitung
  • Eklat
  • Aufreger
  • Fehlleistung
  • Fehlverhalten
  • Unanständigkeit
  • Obszönität
  • Skurrilität
  • Dreistigkeit
  • Respektlosigkeit
  • Niedertracht
  • Bosheit
  • Schluderei
  • Liederlichkeit
  • Verwahrlosung
  • Missgriff
  • Fehlgriff
  • Dreistheit
  • Ungehörigkeit
  • Unart
  • Absurdität
  • Irrsinn
  • Wahnsinn
  • Blödsinn
  • Quatsch
  • Käse
  • Kokolores
  • Hickhack
  • Kuddelmuddel
  • Tohuwabohu
  • Durcheinander
  • Wirrwarr
  • Kuddel
  • Trubel
  • Aufruhr
  • Rabatz
  • Theater
  • Drama
  • Affront
  • Provokation
  • Missbrauch
  • Unrecht
  • Schandtat
  • Schande
  • Skandälchen
  • Peinlichkeit
  • Blamage
  • Fehlzündung
  • Ausrutscher
  • Fauxpas
  • Unzulänglichkeit
  • Schlampigkeit
  • Unfähigkeit
  • Murkserei
  • Pfuscherei
  • Saukram
  • Elend
  • Dilemma
  • Misslage
  • Missklang
  • Schieflage
  • Fehlstand
  • Unbill
  • Übergriff
  • Unwesen
  • Misswirtschaft
  • Schlendrian
  • Nachlässigkeit
  • Fahrlässigkeit
  • Leichtsinn
  • Unvernunft
  • Torheit
  • Verfehlung
  • Ausschweifung
  • Entartung
  • Unkultur
  • Geschmacklosigkeit
  • Stillosigkeit
  • Unsauberkeit
  • Schindluder
  • Schabernack
  • Unfrieden
  • Streitfall
  • Missachtung
  • Geringschätzung
  • Entwürdigung
  • Unheilstat
  • Fehlentwicklung
  • Enttäuschung

Eine kleine Randbemeerkung:
Randnotiz am unteren Seitenrand, halb verwischt: das alles hier nennt sich nicht, aber es meint.

Wörter stolpern übereinander, als hätten sie Angst, beim Namen genannt zu werden.
Man zeigt nicht hin, man kringelt sich darum, immer enger, immer schmutziger im Kopf.
Vielleicht ist die eigentliche Grenzüberschreitung das Schweigen, das so tut, als wäre es sauber.
Und während keiner es ausspricht, wächst es weiter, leise, breit, unausweichlich.


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Erstveröffentlichung: 30.04.2026 20:01
Letzte Aktualisierung: 30.04.2026 10:59
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